Euch ist doch sicher schon die zunehmende Flut an, nennen wir sie einmal “kritischen” Kommentaren aufgefallen, die in letzter Zeit viele Beiträge gewisser, großer, deutscher Modeblogs schmücken? Nicht? Ach klar doch. Wusstet ihr, dass all diese Kommentare von ein und demselben Ort kommen? Ja, doch!

Und seit Kurzem weiß ich, der Karl, Deutschlands führender investigativer Modeblog auch woher.

Ich hatte zwar versprochen Stillschweigen zu wahren aber hey, ihr werdet mir ohnehin nicht glauben.

Passt auf:

 

Es passierte vor wenigen Tagen. Ich hatte gerade einen, wie immer sehr sachlich konstruktiven Kommentar unter einem Beitrag eines großen deutschen Modeblogs hinterlassen, als plötzlich eine merkwürdige Email in meinem Postfach landete. Inhalt:

“Wir haben dich beobachtet. Schließ dich uns an!”

Das Intro von Akte X summte plötzlich durch meinen Kopf. Was sollte das denn? Spam? Ein Scherz? Hö?

Wenige Sekunden später kam eine weitere Mail:

“Morgen. 20.00 Uhr. Gärtnerplatz. Vor dem Theater. Komm allein.”

Ganz unten prangte abschließend der Satz:

“Follow The Kitty!”

Ich schloss mein Postfach und wusste nicht, ob ich lachen oder bibbern sollte. Das war mal merkwürdig. Aber mei, investigative Journalistin, die ich nunmal bin, beschloss ich der Sache nachzugehen. Zumal ich am folgenden Abend ohnehin noch nichts vorhatte.

 

 

Keine 24 Stunden später stand ich am vereinbarten Treffpunkt und wartete auf das, was da kommen sollte. Ich war zehn Minuten zu spät. MVV, ich hasse dich!

Plötzlich ein Geräusch. Ich zuckte zusammen. Das laute Klacken von Acne Pistol Boots drang an mein Ohr (die erkenn´ ich schon am Sound!). Wenige Meter neben mir blieb die Trägerin stehen. Den Rücken zu mir gewandt, den Kopf unter der fellbesetzten Kapuze eines grünen Parka versteckt.

Wartete sie auf jemanden? Ich ließ ein paar Minuten verstreichen dann ging ich auf sie zu. Bevor ich noch dazu kam etwas zu sagen, hatte sie sich plötzlich zu mir umgedreht. Vor Schreck verschluckte ich glatt mein Super-Atemfrisch Kaugummi.

Unter ihrer Kapuze, dort wo ihr Gesicht hätte sein sollen, grinste Hello Kitty mich in Plastik gehauen an.

Uaaaah, freaky!

Die Maskierte sagt kein Wort. Sie deutete mir an ihr zu folgen.

Zehn Minuten und ein paar Parallelstraßen weiter, befand ich mich in einer anderen Welt. Irgendwo tief, tief im dunklen Teil des Szeneherzen Münchens.

Ich stand in einem riesigen, nur schwach beleuchteten Raum. Irgendwo an der Decke baumelte eine einsame rote Glühbirne. Lana Del Rey´s Stimme schwirrte kaum wahrnehmbar durch die Luft.

Im geisterhaften Schein der Birne, erkannte ich viele weitere, als Kitty maskierte Menschen überall im Raum verteilt.

Manche auf Sesseln, andere auf Sofas, wieder andere auf Kissen auf dem Boden doch allesamt mit Macbooks auf dem Schoß. Jeder von ihnen eifrig tippend. Niemand sagte ein Wort. Wo zum Teufel war ich denn hier gelandet?

Niemand schien mich zu bemerken, alle waren beschäftigt. Also die Anonymous Basis war das hier nicht, die waren anders verkleidet.

 

“Was du hier siehst ist eine Gruppe von Leuten, die jetzt in diesem Moment daran arbeiten, das Internet nach ihren Wünschen zu verändern.”

erklärte mir die Maskierte im Parka plötzlich. Sie hatte irgendwo ein echtes Kätzchen aufgetrieben, das sie, während sie sprach, auf dem Arm hielt und sanft tätschelte.

Ich nickte nur.

“Naja, gut” meinte sie weiter: ” eigentlich primär die Mode-Blogosphäre.”

“Ahja” sagte ich.

Kitty und Kätzchen schauten mich wortlos an.

“Und, wie genau?” hakte ich nach.

Mein Gegenüber musterte mich eingehend (sofern ich das hinter der Maske erahnen konnte) und antwortete schließlich: “Mit der mächtigsten Waffe, die uns Internet Usern im Kampf gegen die Alleinherrschaft der großen Blogger gegeben wurde –  mit Kommentaren.”

Bei diesen Worten blickten all die anderen Kittys von ihren Macbooks auf und schauten zu uns rüber. Die Luft wurde dicker und dicker. Ich schluckte.

“Das Internet gehört uns allen.” fuhr der maskierte Parka fort: “Wir waren es leid mitanzusehen, wie viele User scheinbar jeden Mist schlucken, der ihnen von den großen Bloggern vorgesetzt wurde. Aus diesem Grund beschlossen wir durch gezielte Kommentar-Attacken auf große Modeblogs die Stimmung im Volk zu verändern.”

Sie machte eine dramatische Pause:

“Die Leute müssen merken, dass sie kritisch sein dürfen- und sollen. Wir fordern die Revolution der kritischen Meinungsäußerung! Jawohl!”

Ich musste mir ein Grinsen verkneifen.

“Und das klappt?” fragte ich so ernst wie möglich.

“Ist dir schon aufgefallen, wieviele kritische Kommentare zur Zeit online gehen?”

“Joa”

“Die sind bei Weitem nicht alle von uns.”

Ich nickte wieder. Soso, nicht schlecht.

 

 

 

Die Kittys hatten sich wieder an die Arbeit gemacht. Ich sah mich im Raum um und bemerkte jetzt erst, dass sie in Gruppen verteilt dasaßen.

“Wir haben vier Abteilungen” erklärte mir das Parka Kitty: “Links auf dem Sofa siehst du Abteilung A. Sie sind zuständig für gehäufte kleinere, nörgelnde Bemerkungen.”

(Dein Rock ist nicht gebügelt!/Deine Nägel sind zu schwarz!/Du solltest Lippenstift zu dem Outfit tragen!/usw)

“Daneben findest du Abteilung B. Die Hardliner!”

Sie zeigte auf die Kittys auf den Sitzkissen am Boden: “Sie sind zuständig für die Klopper, die immer die größte Aufmerksamkeit generieren.”

(Dieser Blog stinkt/Voll öde hier in letzter Zeit!/ Du fährst den Blog total gegen die Wand!/usw)

 

 

 

 

“Hier auf den Sesseln” fuhr sie fort: “arbeitet die Abteilung C. Sie gehören mit Abteilung D zu den Schlichtern. Wir möchten ja nicht ausschließlich negative Stimmung im Volk verbreiten, sondern lediglich Diskussionen anregen.”

“Abteilung C verfasst die sachlichen, schlichtenden Comments.”

(Wenn´s euch nicht gefällt müsst ihr es ja nicht lesen!/Wenn man nix Nettes zu sagen hat, soll man besser garnix sagen/usw)

“Und last but not least, die Abteilung D!”

Ich entdeckte erst jetzt eine einzelnes Kitty, das in einer dunklen Ecke einsam auf einem Sessel saß und lethargisch wieder und wieder dieselbe Tasten-Kombination eingab und dabei an die Decke starrte.

“Sie ist zuständig für den obligatorischen “Ihr seid doch nur neidisch”-Kommentar, der in keiner Diskussion fehlen darf. Ein öder Job aber jemand muss es ja machen. ”

Ich stand mittlerweile mit offenen Mund da. Diese Leute waren organisiert.

Dann legte mir das Parka Kitty plötzlich die Hand auf die Schulter.

“Wir wollen dich bei uns haben. Komm zu uns!”

Das Kätzchen auf ihrem Arm miaute theatralisch, als sie in einem Ton, dass es mir eiskalt den Rücken runterlief, hinzufügte:

“Komm zu A.C.N.I.!

 

 

 

to be continued (very soon)..

 

Follow The Kitty

 

 

 

 

 

 

Photos via: True-Livings.com und Regine Dörbecker