…hiermit melde ich mich zurück aus der Sommerpause (Klausurenzeit), improved and so much better than before, here I go again… it´s Nörgel-Time!
Ursprünglich sollte dieser schmucke Artikel einen anderen Titel tragen. Und zwar:
“Wenn nicht mindestens zehn Leute wissen, wo ich gerade bin, bin ich dann überhaupt hier?”
Eine Überschrift, die den Nagel um einiges besser aufs Köpfchen trifft, denn im Folgenden geht es eigentlich weniger um foursquare und mehr um die – jaha – wachsende Kluft zwischen Smartphone-Besitzern und.. dem Rest.
Denn: Erstere vermehren sich schon seit einiger Zeit mit besorgniserregender Geschwindigkeit – und scheinbar nur untereinander. Die Schere geht auf, liebe Mitbürger!
Ich möchte hier nicht anfangen über den Sinn oder Unsinn eines Spielzeugs wie foursquare zu reden, denn dieses hat zusammen mit Facebook, Twitter und Co. schon oft genug sein Fett in öffentlichen Publikationen wegbekommen, da fallen selbst mir keine neuen Gags mehr ein.
Worüber ich allerdings reden will, lässt sich sehr schön an zwei Szenen zeigen, die ich mit einem guten Freund aus Berlin vor einigen Monaten erlebte (Hallöle, Sebastian!).
Wir befinden uns in einem Bus. In München.
Ich: Versuche eine Unterhaltung zu starten.
Er: Checkt Foursquare.
Er, plötzlich, laut: “Pah, G. ist eben bei Dings am Alexanderplatz Major geworden! Frechheit, gestern war ich das noch!”
Ich: “…. “ (Würden sich Missbilligung und Ungläubigkeit paaren, ihr Spross befände sich in meinen Augen.)
Was ist denn hier bitte los?!
Statt sich mit der überaus charmanten Erscheinung neben sich zu unterhalten, checkt die Person neben mir eifrig, wo Menschen, die mehrere hundert Kilometer weit weg sind, gerade ihren Kaffee bestellen? Im Ernst? Wieso? Und wieso meinen diese Menschen posten zu müssen, wo sie grade ihren Kaffee bestellen?
Unverständnis 2.0.
Szene Nummer Zwei: Etwas später in einem Cafe. Ein paar Freunde haben sich zu uns gesellt.
Ich: Versuche eine Unterhaltung zu starten.
Er: Checkt bei foursquare ein und schreibt einem Freund, der IHM GEGENÜBER am Tisch sitzt via Skype eine Nachricht.
Es herrscht Stille am Tisch. Eine Fliege landet lautlos auf meiner Gabel. Nur das leise Klicken von Blackberry-Tastaturen klingt sanft durch den Raum.
Da sitze ich also mit meinem definitiv nicht internetfähigen Knochen aus dem Pre-iPhone Zeitalter und verspüre den starken Drang den Jungs an meinem Tisch mit einem Rohrstock gnadenlos auf die Finger zu hauen.
Es ist nun wahrlich nicht so, als hätte ich diese und ähnliche Szenen nicht schon hunderte Male beobachtet aber selber mittendrin zu sein- eine gänzlich neue Erfahrung.
Wie gesagt, es geht hier nicht um eine kritische oder gar objektive (haha, genau) Auseindersetzung mit dem Phänomen Social Media und/oder Smartphones. Ich prophezeie an dieser Stelle nicht den Untergang der westlichen Welt und das Ende des kultivierten, zwischenmenschlichen Kontakts durch Skype und Konsorten.
Doch jetzt, da ich selber vor einiger Zeit als Blogger unter die doch sehr aktiven Social-Media Nutzer gegangen bin, fällt es mir doch plötzlich stark auf, wie sehr diese, teils mehr, teils weniger nützlichen Netzwerke das Leben vereinnahmen, verändern, neu gestalten- wenn man sie nur lässt.
Eine gute Veränderung? Eine Schlechte? Ich wage nicht es zu beurteilen. Dafür wäre um einiges mehr Raum und Zeit und Nachdenken notwendig. Eine Große aber in jedem Fall. Eine über die viele Menschen, die ich kenne selten nachdenken. Ich fand, es war mal an der Zeit (für ein wenig Ernstes und viele schlechte Witze).
Ich selbst sträube mich – noch – mit Händen und Füßen gegen jede Form des mobilen Internets. Wieso?
Reiner Selbstschutz. Der Versuchung pausenlos bei Facebook Nachrichten zu checken oder bei Wetter.de die Regenwahrscheinlichkeit für Morgen zu überprüfen, könnte ich, so ehrlich muss man mal sein, eher schwer wiederstehen.
Die Folge wäre, dass ich noch weniger von meiner unmittelbaren Umwelt mitkriegen würde, als ich es jetzt dank Ipod und wirrer Stimmen im Kopf schon tue und das riskiere ich vorerst nicht.
Wie lange ich das noch aushalte, wird sich zeigen.. wie man weiß, gilt was ich sage, meist nur in dem Moment in dem ich es sage.
Eventuell gibt´s morgen schon einen Widerruf. Oh, die Spannung!
Aber heute frag ich dann doch noch: Gibt es Leute, die sich mir anschließen?
Wichtige, dringende Wortmeldungen zum Thema sind willkommen! Gegen Tadel habe ich auch nichts.
Let me know!
Bisou,
O.
Nachtrag: Ein interessanter Artikel zum Thema.





7 comments
Sebastian says:
Aug 5, 2011
Schön wäre es doch noch gewesen, wenn du erwähnt hättest, dass auch bei mir (minimales) Umdenken stattgefunden hat. Und den Artikel bzw. die Überschrift des Artikels aus der DailyMail gab’s bei mir. Aufm Blog. Hättest du doch bloß RSS-Reader oder andere hypermoderne Technologie-Stützen. Und wer Game-Boy immer noch schöner findet als Playstation3 oder XBox 360, der darf auch von mir aus gern noch das Nokia 3330 als State of the Art bezeichnen ;)
Ola says:
Aug 5, 2011
Schmoll schmoll schmoll
Le Torbi says:
Aug 7, 2011
Das ist wie bei den Auto-Navis: Wer nur noch der betörenden Stimme der Navigations-Assistentin folgt, sieht nichts von der Landschaft und verliert nach einiger Zeit so sehr die Orientierung, dass das geführte Selbst mit einem mal gar nicht mehr weiß, wo es sich überhaupt befindet. Also einfach mal wieder nach Karte (oder ganz ohne fahren) und das Navi nur benutzen, wenn’s gar net anders geht.
Le Torbi says:
Aug 7, 2011
PS: Ein GameBoy hat auf alle Fälle mehr Style als ne PS3. Und das sage ich obwohl ich nur letztere und darüber hinaus auch noch ein Smartphone besitze…
Weltenbummler*in says:
Aug 8, 2011
Ich! Ich, hab kein smartphone oder mobiles Internet irgendeiner Art! Und ich hab auch kein Navi, weil ich finde, dass Verfahren Spaß macht.
p.S. Sicher ist der Gameboy schöner als ne Playstation.
HistorischeSchneiderei says:
Feb 8, 2012
Kein GameBoy ist so “stylisch” wie ein xBox ;] Solche Diskussionen kann man endlos führen, obwohl ich persönlich auch kein Navi-Benutzer bin.
Cemal says:
Aug 11, 2011
Lehrreicher Artikel. Bereichernd, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.