Es folgt ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt einer verwirrten, jungen Frau:

Es geschah an einem sonnigen Septembertag. Gänzlich unvorbereitet auf die Überraschung, die da kommen sollte, saß ich vor meinem Notebook, ging meine üblichen Fashionblogs durch, las hier, las dort und klickte mich durch diverse Bildergallerien, als mir plötzlich zum gefühlt tausendundvierundzwanzigsten Mal ein ganz bestimmtes Paar glitzernder Miu Miu Heels auf dem Bildschirm entgegenstrahlte.

Und obwohl ich diese Schuhe scheußlich fand und sie bei Deichmann für 19.95 Euro nicht mitgenommen hätte, ging mir in diesem Moment vollkommen unerwartet ein völlig neuer Gedanke durch den Kopf:

“Also eigentlich sind sie ja ganz hübsch..”

Wie bitte, was bitte?

Wie Vom Donner gerührt, saß ich plötzlich kerzengerade auf meinem Stuhl.

OH GOTT. Oha. Nur die Ruhe.

Also doch. Es war passiert.

 

Es nützte nichts es zu verleugnen, ich musste es mir eingestehen: Ich war im Zirkus angekommen.

 

Diesem grellen, verrückten Ort, wo König Karl die Peitsche schwingt, Fräulein Anna W. auf einem glitzernden Ross mit ausdrucksloser Miene ihre Runden dreht, wo Menschenmassen in Jeffrey Campbell Klops-Schuhen von einem selig lächelnden David Kirsch in lockerem Laufschritt durch die Manege getrieben werden, bis sie ihre Banane vom Frühstück verbrannt haben.

Ein magischer Ort an dem es Kohlenhydrate und Kleider jenseits der Größe 34 nicht gibt, alles Fabulous und Gorgeous ist und jeder, der etwas aus einer Vorjahreskollektion trägt zur Strafe für zwei Stunden zum Bikram Yoga geschickt wird.

 

Was war passiert? Wie war ich dort gelandet und wieso hatte ich es nicht gemerkt? Sehen wir uns die letzten Wochen genauer an.

 

Nachdem in letzter Zeit tatsächlich ein paar liebe Menschen Zeit und Muße gefunden hatten diesen Blog zu lesen und nette Dinge darüber zu sagen, fühlte ich mich doch gezwungen, mich ein wenig mehr mit der Materie Fashion auseinderzusetzen, als ich es bisher getan hatte. Um, ihr wisst schon, in Zukunft etwas fundierter nörgeln zu können natürlich.

Was ich nicht bedacht hatte war, welche Schalter sich in meinem Hirn unbemerkt umlegten, während ich Stunde um Stunde damit verbrachte Streetstyles, aktuelle Kollektionen und die neuen Outfit-Posts von geschätzten Mitbloggern zu studieren. Ich tauchte immer tiefer in diese schöne, kuriose Welt hinein und fand mich plötzlich viel weniger als Beobachter, als ich es noch vor wenigen Wochen gewesen war.

Nach und nach fiel mir auf, was in den letzten Wochen geschehen war. Ich bemerkte, dass ich begonnen hatte mehr als zwei Mal die Woche zu joggen (ich joggte früher regelmäßig alle 2 Wochen), ich aß verdächtig oft braunen Reis mit Gemüse, fand manches von Acne nicht mehr scheußlich und schaute mir Fashion Shows tatsächlich an und guckte dabei sehr konzentriert. Ich hatte begonnen Anna Wintour nett zu finden und André Leon Telly nicht nervtötend sondern amüsant. Und: Ich hatte mein erstes Paar Spanx erstanden (ok, die sind aber WIRKLICH großartig!).

Cut zu mir in der Umkleide von H&M vor wenigen Tagen.

Meine Mutter wartete ungeduldig vor der Kabine. Als ich schließlich fertig umgezogen vor ihr stand, stolz, dass mein Hintern es in eine 38 geschafft hatte, hörte ich allerdings plötzlich:

“Wie stehst du denn da?! Musst du auf Klo?”

Ich schaute nach unten und sah das Grauen: Einander schwer zugewandte Fußspitzen.

Die vielen Stunden Streetstylesfotos studieren und Magazine blättern waren nicht ohne Folgen geblieben. Ich stand da wie Alexa Chung. Na toll.

 

Ohne es zu merken, hatte ich die Lieblingspose der Streetstylefotografen-Opfer verinnerlicht. Da hatte sich definitiv einiges geändert in meinem Kopf in den vergangenen Wochen. Nicht viel aber doch viel mehr als ich gedacht hatte. Wie würde es weitergehen?

Wenn ich nicht gleich kräftig zurückruderte und mir ein gänzlich unglamouröses Hobby wie Angeln oder Briefmarken sammeln suchte, würde ich mich dann etwa in absehbarer Zukunft in eines dieser kurios gekleideten, schwer bebrillten Wesen verwandeln, die mir von so vielen Fotos entgegenlächelten?

An jenem Tag als mir die Miu Miu Heels plötzlich nicht mehr gänzlich abstoßend erschienen, war es nicht mehr zu übersehen gewesen. Ich war dem Zirkus sehr nahe gekommen.

Ach was, ich stand eindeutig schon im Eingang und hielt den Kopf hinein. Der Geruch von zucker- und butterfreiem Popcorn stieg mir bereits in die Nase. Skeptisch war ich nach wie vor, zu hohl und kurios erschien mit einiges in dieser Welt. Aber wo ich schon mal da war..

 

To be continued..

 

Nachtrag 1: Nein, ich geh nicht immer mit Mama shoppen.

Nachtrag 2: Ja Mama, wenn du das liest, ich hab mir diese Pose abgewöhnt.

 

 

 

Photos via: Stylebubble.co.uk und miumiu.com